Rating

Sowohl für die gegenwärtige Kreditvergabe als auch für ein etwaiges zukünftiges alternatives Modell halte ich die aktuelle Berechnung des Ratings für etwas unglücklich. Warum? Nun, mal ist das Rating gerecht, mal nicht und man kann es unmittelbar ohne Verbesserung der Kreditwürdigkeit beeinflussen. Das führt zu viel zu guten Konditionen am manipuliertenEnde und zu ungerechtfertigten Liquiditätsengpässen am anderen Ende. Da dies auch für zukünftige Kapitalmarktmodelle ein Thema bleibt, hierzu ein paar Hinweise:

Cashflow: Stellt glaube ich auf den kummulierten Cashflow, also inkl. aus Rückzahlungen von Depotzahlungen ab. Wenn ja, macht das wenig Sinn, da die Kündigung von Leasingverträgen nur in geringem Umfang Auswirkungen auf die Lage des Unternehmens hat.

Liquiditätsreserve: Springt zu sehr und benötig aus meiner Sicht einen Stichtagsbezug oder einen gleitenden Durchschnitt der letzten 7 Tage oder sowas. Jedenfalls ist die Liquiditätsreserve nach einer Auszahlung relativ gesehen genauso gut wie vorher. So zeigt sich das aber nicht im Rating.

Anlagendeckung: Ist im Grunde ok. Es mangelt an einer konsolidierten Betrachtung inklusive der Töchter, aberzu Gunsten der Spielbarkeit kann man das wohl vernachlässigen.

EK-Quote: Hier fehlt es an der Berücksichtigung zumindest der Substanzwerte der Beteiligungen. Die EK-Quote wird irgendwann nur noch dadurch bestimmt, dass man gelistete Töchter am Aktienmarkt dreht oder Kapital überträgt. Das macht jedenfalls so wenig Sinn.

EK-Rentabilität: Ist in Ordnung. Ich vermute (hoffe) die wirkt sich auch nur kaum auf das Gesamtrating aus.

Cash-Ratio/Current-Ratio: Etwas irreführend, da die notwendigen Bilanzpositionen hierzu ja eigentlich fehlen. Der Beobachtung nach, ist das aber auch zu stark von der unterwöchigen Liquiditäts- und Ergebnissituation abhängig.

Umsatzrendite: Für das Rating ist die operative Umsatztrendite ausschlaggebend. Herangezogen werden aber auch Sondereffekte (Abschreibungen auf Flugzeuge, Gewinne und Verluste aus Börsenhandel), auch die Kreditzinsen haben hier nichts zu suchen.

Verschuldungsgrad: Siehe Anlagendeckung.

Bei vielen der Punkten sind meiner Einschätzung nach die notwendigen Daten bereits da, nur zieht die Berechnung die falschen Daten heran. Insgesamt glaube ich, sollte das Rating hinsichtlich der Performancekennzahlen auf den letzten Wochenabschluss abstellen, da der am ehesten nicht manipuliert ist. Bei den anderen Kennzahlen ist das nicht möglich, hier sind die aktuellen Zahlen erforderlich. Hier wäre aber eine bessere Datenbasis notwendig.

Mir ist klar, dass dies jetzt alles auf keine großen Begeisterungsrufe stößt. Wenn aber Finanzinstrumente in AS genutzt werden, die auch Einfluss auf das operative Geschäft haben, dann sollten diese eben auch einigermaßen robust sein. Dass dies in Perfektion nicht möglich ist, ist mir auch bewusst. Wenn aber zumindest ein paar Manipulationen am einen Ende und ein paar Kreditengpässe am anderen Ende vermieden werden, wäre das ja schon ein guter Fortschritt.