Trip Report: Ein Wochenende in Jerez

Das erste Dezemberwochenende wurde heuer in Spanien um zwei Tage verlängert: Der Dienstag, Verfassungstag (6. Dez.), ein nationaler Feiertag, wurde verstärkt vom „Brückentag“, dem Montag. Ja, Spanien ist ein hart arbeitendes Land.

Wie dem auch sei, mir ist im Oktober aufgefallen, dass wir bei Iberia genug Meilen gesammelt hatten, um einen nationalen Flug hin und zurück durchzuführen. Die Wahl fiel auf Jerez, da ich schon immer einmal dorthin wollte und wir im Allgemeinen versuchen wollten dem Winter zu entkommen. Für insgesamt 90€ sind wir also zu dritt nach Andalusien geflogen, für dem Preis kann man das nicht selber machen.

Am Samstag, den 3. Dezember haben wir uns also nach Barajas aufgemacht, wo wir (o Wunder) uns bereits 30 Minuten Verspätung einhandelten (Baggage id und dann Slots). Dann ging es aber doch los und es folgte ein ereignisloser, aber komplett voller Flug mit einer neuen, sauberen (!) A 319, der EC-LEI.

Nach der Ankunft in Jerez:

Nachdem wir mit dem Taxi zu unserer Pension in der Nähe des Zentrums gefahren waren, dort eingecheckt hatten und uns sortiert hatten haben wir uns zu fuß auf den Weg gemacht, Jerez kennenzulernen. Nach etwa fünf Gehminuten lächelte uns eine Kneipe mit Stehtischen in der Sonne derart an, dass wir einfach nicht widerstehen konnten, uns unserem Schicksal ergaben und den ersten Oloroso Sherry (man ist ja schließlich an der Quelle) und una ración de Mojama (eine Portion getrockneter Thunfisch) zu uns nahmen.

Gestärkt begaben wir uns also auf den Weg, die Stadt weiter zu erkunden. Wir folgten der Calle Lancería zur Plaza del Arenal, in deren Mitte ein Brunnen mit einer Statue von Miguel Primo de Ribera, einem der spanischen Diktatoren. Der Platz kann getrost als das Zentrum von Jerez bezeichnet werden, wir sind jedenfalls ständig auf ihn gestoßen.

Wir wollten uns auch den Alcázar, die Burg, ansehen, dieser ist allerdings nur werktags geöffnet, dies haben wir dann auf den Montag verschoben. 

Unser Spaziergang führte uns durch einige kleinere Straßen, die nicht unbedingt besonders interessant waren. Bemerkenswert ist allerdings die Kirchendichte in Jerez, alle Nase lang stößt man auf Gotteshäuser verschiedenster Formate und Epochen. Diese Kirche hinter dem Haus ist die San Miguel.

Irgendwann um diese Zeit begann sich das fehlende Frühstück bemerkbar zu machen, 15: 00h ist aber auch in Spanien schon eine gute Zeit zum Mittagessen. Nach einigen unzufriedenstellenden Vorschlägen fanden wir in der Calle de San Pablo einer engen, nur Fußgängern zugänglichen Gasse eine größere Menschenmenge vor, die auch alle mit Essen, Trinken und sich unterhalten beschäftigt waren. Diese große Ansammlung war bedingt durch die vorweihnachtlichen Feierlichkeiten, auch als Zambombas (spanisches Instrument) bekannt. Als wir uns bis zur Theke der Tabanco San Pablo durchgekämpft und meine Bestellung aufgegeben hatte war aufgrund des enormen Ansturmes Warten angesagt. Wir haben bekommen, was wir wollten und gut geschmeckt hat es auch. Allerdings glaube ich, dass man ohne Spanisch hier so ziemlich verloren ist, wenn ein solcher Betrieb herrscht, da nur Spanier bzw. Jerezanos anzutreffen waren.

Während wir aßen erklangen auf einmal Gesang, Klatschen, Gitarrenklänge und Cajón, Wiehnachtslieder, auf Spanisch eben. Flamenco angehaucht, ganz anders als unsere Triste, träge Weihnacht in Deutschland, geht es in Andalusien eben immer beschwingt, meist fröhlich, und etwas lauter zu. Nachdem wir fertig waren, kämpften wir uns zur Klangquelle vor und verbrachten 45 Minuten hier, übrigens: Mitsingen und (im Takt) mitklatschen sind nicht nur erlaubt, sondern ausdrücklich erbeten.

Nach so viel Musik und gutem Essen begaben wir uns wieder auf den Weg, wir wollten noch etwas von Jerez im Rest des Tageslichtes sehen. Über Arenal sind wir zur Kathedrale gelaufen, die sich im milden Abendlicht von ihrer schönsten Seite zeigte.

Erbaut wurde sie im XVII. Jahrhundert, auf der Moschee, nachdem die Araber aus Spanien vertrieben wurden. Sie kombiniert Merkmale der Gotik, des Barrock und der neoklassischen Epoche. Weil es schon so spät war, konnte ich keine schönen Aufnahmen in der Kirche selber machen, das einzige Bild, das ich zeigen kann, ist die Kuppel von innen.

Ein Besuch lohnt sich, die Kathedrale ist schön und hinter dem Altarraum befindet sich ein Museum zur Geschichte der Kathedrale und der Christen in Jerez. Als wir das Gebäude verließen, haben wir uns mit dem Ziel etwas zu essen aufgemacht.

Nun sind wir aber bei González-Byass, der größten Bodega in Jerez und Hersteller des berühmten Tío Pepe hängengeblieben, da genau zu diesem Zeitpunkt eine Führung durch das Gelände anstand, die wir, trotz unserer Absicht eine kleinere Bodega zu besichtigen, mitgemacht haben.

Eineinhalb Stunden lang „Fässer anschauen“, trotz der etwas langweilig anmutenden Umschreibung ist diese riesige Produktionsstätte beeindruckend. Die Firma hat immerhin schon 175 Jahre auf dem Buckel, wertvolle Erfahrung für die Herstellung großartiger Weine.

Das Gelände ist sehr schön instand gehalten und man kommt mit der Führung auch wirklich durch einen großen Teil der riesigen Anlage. Der Prozess der Herstellung von Sherry mit Soleras und Criaderas (verschiedene Reihen von Fässern) wird (natürlich) erklärt. Sehr beliebt ist die Halle mit unterschriebenen Sherryfässern, unter anderem haben sich hier Paco de Lucía, Carlos Saura, Bernd Schuster und Mario Vargas-Llosa verewigt.

Viel wichtiger für uns als Luftfahrtcommunity ist allerdings dieses Exemplar:

Ein Haus mit so viel Geschichte und Tradition hat freilich auch seine Anekdoten und Geschichten zu erzählen und so findet man an einigen stellen des Komplexes diese Einrichtungen, auf die erst etwas später eingegangen werden konnte, da sich eine Katze in der Bodega aufhielt, was nicht geduldet wird:

Was hat es damit auf sich? Nun, es gibt praktisch überall Mäuse, das weiß jeder. González Byass hatte einst große Probleme mit einer Kolonie von Mäusen, die an den Fässern nagte und eine Gefahr für den Sherry darstellte. Als das Management vorschlug, eine Katze zu besorgen wehrten sich die Arbeiter dagegen und konterten mit einem unkonventionellen Vorschlag: Was wenn wir die Mäuse so besoffen machen, dass sie nicht mehr ans Nagen denken? Nun ja, heute werden täglich Sherry und etwas Nahrung gereicht und die Mäuse kommen aus ganz Jerez, fühlen sich offensichtlich sehr wohl. Jetzt versteht wohl jeder, was die Katze für ein Problem darstellte! Dass die Mäuse tatsächlich kommen, beweist dieses Video, in dem die Geschichte noch einmal erzählt wird:

http://www.youtube.com/watch?v=eMpeEaTgRsk

Dass González Byass erst zur heutigen Größe heranwachsen musste, lässt sich auf dem Gelände heute noch sehen: Ganze Straßenzüge waren einmal Teil des Stadtplanes von Jerez, sind aber heute abgeriegelt und gehören wie dieses Beispiel, die Calle de los Ciegos zum Werksgelände.

Nach der Führung haben wir uns erneut zur Tabanco San Pablo begeben und wunderbar zu Abend gegessen, als wir auf einmal von unserer Führerin von González Byass gegrüßt wurden. Trotzdem man in Spanien hauptsächlich nachts lebt, haben wir uns entschlossen diese etwas kürzer zu halten und uns auf den Weg ins Hotel zu machen.

Tja, wie man sieht, ist Weihnachten erschreckend nahe …

Am nächsten Morgen haben wir uns nach dem Frühstück erneut auf den Weg gemacht und sind unserem Gehör auf die Plaza del Banco gefolgt, wo gerade eine Kapelle aufzuspielen begann.

Unser Weg führte uns weiter die Calle Larga entlang, bis wir auf einen Büchermarkt stießen, wo wir uns eine Zeit lang aufhielten und stöberten. Nachdem wir allerdings nichts gefunden hatten, liefen wir weiter, nicht ohne ein Bild vom Kloster Santo Domingo zu machen, umgeben von all diesen wunderbaren Orangenbäumen und Palmen.

Immerhin 21°C, am 4. Dezember, da kann man wirklich nichts sagen! Nachdem wir uns verschiedene weitere Straßen angesehen hatten, stießen wir auf noch eine schöne Kirche, San Juan de los Caballeros.

In dieser Kirche halten Nonnen vor dem Altar 24 Stunden lang wache, was ich allerdings nicht bildlich festgehalten habe. Der Tag verlief sonst recht ereignislos, wir aßen bei Tabanco San Pablo zu Mittag und setzten uns anschließend zum Kaffee auf eine sonnige Terrasse. Wir besorgten uns dann im Supermarkt noch einen Tío Pepe und ließen den Nachmittag ausklingen, nicht ohne zum Sonnenuntergang auf die Dachterrasse der Pension zu gehen…

Den Montag verbrachten wir auf dem Alcázar, den ich zu Anfang bereits erwähnt hatte.

Die Ursprünge des Alcázar von Jerez gehen bis ins XI. Jahrhundert zurück, als die Muslime noch in Spanien weilten. Aus dieser Zeit stammen die Bäder, Gärten und der achteckige Turm. Der Alcázar stellte die südwestliche Ecke der Stadtmauer dar.

Für jemanden, der die Alhambra gesehen hat, ist er natürlich klein und wenig beeindruckend, mir hat die Anlage allerdings sehr gut gefallen.

Wunderschön sind natürlich auch die Gärten, mit Brunnen und Blumenbeeten, Orangenbäumen und anderen Gewächsen.

Man stelle sich vor, zweimal bereits stand er kurz vor dem Abriss: In den 20er Jahren sollte die Anlage abgetragen und an ihrer Stelle eine öffentliche Parkanlage errichtet werden, in den 60er Jahren wurde mitten im Gelände ein Hotelrohbau errichtet, der dann letztendlich die Genehmigung doch noch entzogen bekam, sodass der Bau wieder abgetragen werden musste und der Alcázar in dem Zustand ist, wie wir ihn heute haben.

Mehr Bilder davon würden den Rahmen dieses Berichtes sprengen, deswegen kann ich nur sagen, es lohnt sich, sich die Anlage einmal anzusehen, sie ist wirklich gut in Schuss gehalten.

Nachdem wir uns mit genügend Sherry eingedeckt hatten, haben wir uns auf den Weg zu unserem Gepäck und anschließend zum Bahnhof von Jerez gemacht, von wir mit einem Bus zum Flughafen gefahren sind.

Im Warteraum erfuhren wir 20 Minuten vor der geplanten Abflugzeit von einer einstündigen Verspätung, welcome to IBERIA! Aus den Fenstern habe ich dann allerdings ein Bild von einer C295 der Ghana Air Force machen können, ohne die Verspätung hätte ich diese wohl nicht gesehen.

[img]http://img.webme.com/pic/t/tyroleanspirit/_dsc3195_ghanac295.jpg[/img]

Als dann schließlich unsere A 319 kam, verlief der Einsteigevorgang sehr schnell, nichts weiter Nennenswertes hierzu.

Mit dieser einen Stunde Rotation Delay war allerdings der Anflug insofern interessant, als dass die Kabinenbesatzung ständig hin- und herrannte um die Transitpassagiere mit den Anschlussgates vertraut zu machen, die sich in Madrid gerne auch ändern.

Tja, ein ereignisloser Flug und hiermit möchte ich auch schließen, Jerez hat uns sehr gefallen und in der Nebensaison ist es auch wirklich günstig, hier zu wohnen und zu essen.